
Melanie Müller empfiehlt „Die Ausweichschule“ von Kaleb Erdmann: „Wie verarbeitet man einen selbst miterlebten Amoklauf literarisch bzw. ist es überhaupt eine gute Idee dies zu tun oder reißt man damit nur alte Wunden auf und nährt „Schaulustige“? Diesen Fragen widmet sich Kaleb Erdmann in „Die Ausweichschule“. Er selbst war Fünftklässler am Erfurter Gutenberg-Gymnasium, als 2002 dort 16 Personen von Amokläufer und ehemaligem Schüler Robert Steinhäuser erschossen wurden. Steinhäuser kam in sein Klassenzimmer, ging dann aber wieder, als nächstes waren Schüsse von oben zu hören. Alles in allem ist seine Erinnerungen an den Tag lückenhaft. Fast 25 Jahre später denkt er das Erfahrene eigentlich längst verarbeitet zu haben, was sich bei seiner intensiven Recherche zum Thema allerdings als falsch herausstellt.
Auf seine Fragen findet er nicht wirklich Antworten, so ist „Die Ausweichschule“ eher Erfahrungsbericht als Roman. Man begleitet Erdmann bei Recherche, literarischen Versuchen und in seine Vergangenheit. Ein sehr, sehr gelungenes und ehrliches Buch.“