
Nicola Bräunling empfiehlt „Biarritz“ von Andrea Sawatzki: „Nach „Brunnenstraße“ ein zweites Highlight von der wunderbaren Andrea Sawatzki. Nachdem sie in ihrem ersten Buch das Leben mit ihrem demenzkranken Vater, um den sie sich als Kind kümmern musste, aufgearbeitet hat, geht es in diesem um ihre Mutter. Im Alter ebenfalls an Demenz erkrankt und in einem Pflegeheim lebend, stößt sie ihre Tochter immer wieder vor den Kopf, beleidigt und verletzt sie und kann nicht über die der Tochter wichtigen Themen der Vergangenheit sprechen. Von der liebevollen Nähe aus Kindheitstagen ist nichts übrig, was die Tochter nicht auf die Reihe bringt. Sie sucht nach kleinsten Erinnerungen und nach Resten aus glücklicheren Tagen, die es immerhin immer mal wieder gab..
Sawatzki ist hin- und hergerissen zwischen Liebe und Hass, zwischen Ablehnung und Pflichtgefühl. Sie ringt um Zuneigung und Verständnis und kann – auch vor dem Hintergrund der fiesen Kindheit – nicht aus ihrer Haut. Die Situation bessert sich erst, als eine uralte Freundin der Mutter auftaucht, die einiges weiß, was der Tochter nie erzählt wurde.
Unbedingte Empfehlung, wenn auch bitter und heftig.“